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Schnell war ein Katalog von Attributen erstellt. Mit Abstand am häufigsten wurde angegeben, daß dieser Kopf nachdenklich, intelligent, klug, ruhig und bescheiden wirke. Relativ oft hieß es dann noch, der junge Mann sei naiv, kindlich, gutmütig, hilfsbereit, einfühlsam, gutgläubig und sanftmütig. Etliche fanden ihn etwas abwesend, verloren, erschrocken, versunken, träumerisch und unentschlossen oder sahen ihn als schüchtern, unsicher und ängstlich an. Und einer kleinen, nicht einfach zu ignorierenden Minderheit stellte er sich als ein wehleidiges, weinerliches, verhätscheltes Menschenkind dar. Auf die Frage, welchen Beruf der Unbekannte wohl haben könnte, wurde fast einhellig geantwortet, daß er ein Künstler oder ein Schriftsteller sei. |
Auch Musiker, Student, Psychologe oder Mönch sei denkbar.
Pfarrer komme auch in Betracht, denn er habe ein Gesicht, das anderen Hoffnung
mache. Beachtlich waren wiederum die wenigen aus dem Rahmen fallenden
Einschätzungen, daß es sich nämlich der gewissen
Pausbäckigkeit wegen um einen Koch oder Bäckerlehrling handeln werde.
Was aber würde
jener junge Mann - gesetzt, er wäre hier an der Schadow-Schule
besonders gut oder sehr schlecht oder höchst merkwürdig finden? Von
der Zumutung, die solcherlei Rollenspiel für rechtschaffene Geister
normalerweise darstellt, war nichts zu spüren. Der Quell begann sofort zu
sprudeln. Besonders
gut fände unser Mister Nobody die Minikurse und die Projekttage, die
Schülervollversammlungen, die freie Konversation unter den Schülern
während der Pausen, überhaupt die lockere Art an der Schule mitsamt
dem lockeren Lehrer-Schüler-Verhältnis, die vielen Fachräume,
den insgesamt interessanten Unterricht, die zahlreichen AGs und speziell
die Umwelt-AG, daß der Umgang untereinander ohne alle Befangenheit
möglich ist, daß die alten Sprachen noch immer gelernt werden und
daß es vor allem die neuen praktischen Getränkeautomaten gibt. Sehr
schlecht fände er die beschmierten Wände und Toiletten, die
häßlichen, eintönigen, kahlen Klassenräume, den Schmutz
überall, die großen Klassen, daß so viele rauchen, daß
manchmal gestohlen wird, die allgemeine Disziplinlosigkeit, die
Unhöflichkeit zwischen den Schülern und Lehrern, die
Gewalttätigkeit, mit der manche ihren Frust ablassen, daß manchmal
ordinär gesprochen wird, daß es zuwenig Material in den
Fachräumen gibt, daß manche Lehrer nicht motiviert genug in den
Unterricht gehen, daß kleine Schüler nicht genug Respekt vor
größeren haben und daß die Schritte auf den Fluren so
widerhallen. . . . . Z u r S e i t e 2 |
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